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s
,,Dass es heutzutage mehr als je notwendig ist, in
politischen Dingen selbst die Augen ofïen zu halten,
und sich nicht mit blindexn Vertrauen führen zu lassen,
beweist das Eintreten eines Marburger Professors für ­ »
die internationale, revolutionäre Socialdemokratie. Die
,,Burschenschaftlichen Blätter“ brachten unlängst einen
gegen die Socialdemokratie gerichteten Artikel. Dazn
erlasst, Zeitungsmeldungen zutolge, der 'Marburger
Professor der Philosophie, Dr. Natorp, eine merk-
würdige Kundgebung. Er empüehlt; nämlich den Stu-
denten das Studium der socialistischen Quellenschriften
und fährt dann folgendermassen fort: ­
,,Es stehen sehr zahlreiche, geistig sehr hochstehende
Männer heute vor der schweren Frage, ob es nicht,
so wie die Sachen liegen, ihre Püicht wäre: der So-
cialdernokratie beizutreten. Man fragt sicl1: Ist es wahr,
dass an sich jeder, der als Mensch geboren, gleiches
Recht auf die volle Entfaltung seines Menschentums
i hat? Ist es wahr, dass dieses Ideal an sich kein un-
inögliches, aber durch die Gewaltherrschaft des
l Capitals unmöglich gemacht ist? Ist es wahr, dass
es gegen diese keine wirksame Hülfe gibt als die po- 4
litische Organisation des arbeitenden Proletariats? Und
wenn diese Organisation unter schweren Geburtswehen
ins Dasein getreten ist, wenn sie als Spuren dieser
Yehen nocl1 diesen oder jenen Schaden an sich trägt, "
darf das gerade für die, deren Beitritt etwa zur Hebung
` der Partei heitragen könnte, ein Grund sein, sich ihr
‘ zu entziehen und durch ihre Fernhaltung wenigstens
_ indirect an ihrer Schwächung mitzuarbeiten?“