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ï Damm entgegengeschoben wird. Denn wir dürfen leider l ,
davon überzeugt sein, dass durch die pekuniär glän­ _ W
i _ zende Stellung so vieler Professoren einerseits die ’
r Liebe zum Beruf Schaden leidet, die langsam unter-
graben wird durch einen ausgedehnten gesellschaft­
L ‘ lichen Strudel*), durch zahlreiche Unterhaltungen und _
monatelanges und im Jahr mehrmals wiederholtes ,
{ , Reisen, dem die unverhàlltnismässig langen Universitäts- ` ,
·· · ferien zu Gute kommen, andrerseits aber auch die ï
li ‘ wissensehaftliche Thätigkeit sehwer gesehädigt wird, '
· ­ ` die besonders an einigen kleineren deutschen Uni- s
{ versitäten sehr viel zu wünschen übrig lässt. ,, Geld ’ 1
i *) Ganz vortrefflich äiussert sich über diesen Punkt Gustav
Freitag in seiner Selbstbiographie: ,,Seitdem ist der gesell­
schaftliche Verkehr viel anspruchsvoller, umständlicher und r
F . üppiger geworden, auch in den Kreisen, welchen vor allen ob-
ig , liegt, das Leben der Deutschen gesund zu erhalten . . .
E r Dies abgeschmackte Auftischen soll man doch solchen über- ‘ ,
F j lassen, welche kein besseres Selbstgefühl haben, als ihren Wohl­
stand durch Bärenschinken und eingeführte Kostbarkeiten zu e_
4 r zeigen. Gegenüber der Verschlemmung, welche in unser
­ Tagesleben eindringt, ist es Zeit, daran zu mahnen, dass alle
i diese reichlichen Zuthaten zu dem äussern Leben, nicht allein
lg bei der Tafel, auch in der gesamten Einrichtung des Hauses,
, V ein unnützer Ballast sind, der da, wo er zur Herrschaft kommt,
· den Menschen nicht heraufhebt, sondern herabdrückt, der 2
i unserer Jugend die Gründung eines eigenen Haushaltes .
" erschwert und uns am meisten da schädigt, wo wir anderen
A seither iiberlegen waren, in der Zucht und Ordnung des
` Familienlebensf Werden sich die akademischen Gesell­ A
schaftskreise der Gegenwart durch dieses Urteil unseres bedeu-
tendsten Kulturhistorikers beeiniiussen lassen? 2