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Lust und Stimmung gefunden hätte, an einen
Gegenstand Zeit und Arbeit zu wenden, der die-
selbe wissenschaftlich so wenig zu lohnen im`
Stande ist. Ein rein wissenschaftliches Interesse
hat mich ursprünglich, wie oben bemerkt, auf
denselben geführt: die Absicht, den Begriff der
Unsitte an einem concreten Beispiel zu veranschau­
lichen; aber das wissenschaftliche Interesse hat wah-
rend der Arbeit mehr und mehr dem praktischen -
Platz gemacht, die Feder ward in meinen Händen
unwillkürlich zur Lanze, die Kritik zum Angriff.
Ich gebe zunächst den Weg an, auf dem sich
meiner Ueberzeugung nach das Trinkgeld in Gast- A
höfen, 'Restaurationen n. s. w. mit Aussicht auf
I Erfolg beseitigen lässt. Derselbe ist im wirklichen
Leben in Bezug auf das Gasthofstrinkgeld bereits
vereinzelt beschritten worden und, wie ich mich
kürzlich durch eigene Erfahrung überzeugt habe,
mit durchschlagendem Erf0lg.* Er besteht darin,
* Aus den Mittheilungen, die mir aus Veranlassung der
Verötfentlichung meines Aufsatzes in WGSt€1`màHD’S Monats-
heften aus Kellnerkreisen zugekommen sind, entnehme ich zu
meiner Freude, dass bereits seit längerer Zeit in letzteren eine
Agitation für Abschafung des Trinkgeldes besteht. Den
öffentlichen Kundgebungen derselben ist Seitens der Presse
eine minder geneigte Aufnahine und Beurtheilung zu Thci] ge-
worden, als es im Interesse der Sache zu wünschen gewesen
wäre. Man hat in diesen Bestrcbungen eine Anwandlung von
falschem Stolz, eine Ueberhebnng des Kellnerstandes erblicken 4-
wollen, während es sich doch nur daruni handelt, letzteren
dieselbe Stellung zu verschaffen, die allen auf Arbeit und Er-