HomeDas TrinkgeldPagina 46

JPEG (Deze pagina), 606.02 KB

TIFF (Deze pagina), 5.18 MB

PDF (Volledig document), 35.12 MB

­-­ 46 ­-

für Leistungen gewisser Art zur Anwendung bringt, _
ausnahmsweise in ganz exorbitanter Weise über-
schritten wird, so muss dies auf das Subject, das A
davon den Vortheil zieht, wenn es nicht eine grosse 4 W
Charakterfestigkeit entgegenzusetzen hat, noth- `
wendigerweise einen ungünstigen Einfluss äussern: S
das ökcnomische Gleichgewicht wird gestört, der
Massstab für den Werth des Geldes verschoben, _
die Verschwendungssucht findet das Thor offen. l
Als in Wien beim Bau des Ausstellungsgebäudes A
für die Weltausstellung der Tagelohn für einige ·,
Gewerke eine nie dagewesene Höhe erreichte,
tranken manche Arbeitsleute Champagner, und der tt
blaue Montag dauerte tagelang. Der schwindel­
hafte Preis hatte sie selber schwindelig gemacht, _
sie hatten ihren Halt, der auf dem richtigen Ver- , 1
hältniss zwischen Lohn und Arbeit beruhte, ganz- .
lich verloren, der Lohn trug für sie nicht mehr
den Charakter des Lohnes, sondern eines Spiel-
gewinnes an sich -­ es charakterisirt den Spiel-
gewinn, dass er regelmässig ebenso leicht dahin­ `
geht, wie er gekommen ist. Dieselbe Beobachtung
hatte ich früher in Bezug auf die Landwirthe
eines gewissen deutschen Landdistricts gemacht,
als infolge allgemeinen Misswachses, von dem bless
ihre Gegend verschont geblieben, die Kcrnpreise ·
­ rapid gestiegen waren -­- sie wussten nicht mehr,
· wo sie mit dem Gelde, das in ihre Taschen strömte,
bleiben scllten. Der gewöhnliche Champagner war .
K
F