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ohne Vereinbarung rechtlich beansprucht werden
kann, liegt, obschon der Ausdruck ungenauerweise Q
nicht selten auch darauf angewandt wird, nicht ë
Trinkgeld, sondern Lohn vor. Ein Kutscher, der ‘
sich neben dem Preis für die F ahrt noch ein be-
stimmtes Trinkgeld ausbedingt, erhalt juristisch `
das Ganze als Lohng die Benennung des einen,
kleineren Theils als Trinkgeld hat lediglich einen
historischen Grund, sie weist auf die Thatsache I
hin, dass dieser Theil des Lohnes ursprünglich ·
als freie Gabe zu ihm hinzugefügt Ward; juri-
stisch ist es ein Widerspruch in sich selbst, ihn _ l
in seiner gegenwärtigen Gestalt noch als Trink-
geld zu bezeichnen. *
Das Trinkgeld ist also in reohtlicher Beziehung *1
eine völlig freie Gabe. Dies Kriterium theilt dasselbe "
mit der Schenkung. Von letzterer unterscheidet
es sich durch seinen Zweck. Die Schenkung be-
zweckt die Bethätigung des Wohlwollens in Form
einer ökonomischen Zuwendung, das Trinkgeld l`
eine Vergütung für erwiesene Dienstleistungen ­,
_ O2·zeo·ces),· es enthält daher eine Imitation des 4
Lohnes und iindet dem Sprachgebrauch zufolge
nur bei denselben Dienstleistungen statt, bei
denen letzterer Platz greift (den opcrce illzïbcmlcs
der Römer, d. i. den Dienstleistungen gewerblicher
Art oder der dienenden Classe). Bei einer einem
Beamten gewährten Remuneration spricht Niemand
von Trinkgeld, obgleich dieselbe sachlich mit letz-