HomeDie Farbenblindheit, ihr Wesen und ihre BedeutungPagina 22

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20 Grössere Empiindlichkeit der Farbenblinden gegcn Lichtelïecte. Q
Einigermassen ausgeglichen wird dieser geringe Um- U
fang der Farbenkenntniss eines Daltonisten durch eine
nicht unbetrachtliche Erhöhung der Empfänglichkeit
gegen Licliteffecte. Alle hcchgradigen Daltonisten be- l
sitzen ein ungexnein feines und scharfes Unterscheidungs-
vermögen für die zartesten Lichttöne, und sie vermögen l
deshalb da noch feine und zartnuancirte Lichtunter- “
schiede zu emptinden, wo ein farbensehendes Auge _
nichts dergleichen bemerkt. Aus diesem Grunde pfle­
gen auch die gebildeten Daltonisten, scbald man sie E
nach der Natur dieser oder jener Farbe fragt, sich ll
gern sclcher Ausdrücke zu bedienen, welche nur auf
den Grad und die Beschaffenheit eines Lichteffectes J
Bezug nehmen und man wird nirgends anders Gelegen-
heit haben, so hauüg von hell, glanzend, schattig, hell-
dunkel u. s. vv. sprechen zu hören, als in der Unter-
haltung mit einem gebildeten Farbenblinden. Ihre
Sprache erinnert grade in diesexn Punkte sehr lebhatt
an die homerische, die bekanntlich in der Wiedergabe
der Lichteffecte eine staunenswerthe Geschicklichkeit
besitzt und grade in diesexn Punkt über eine Fülle ven
sprachlichen Ausdrücken verfügt, die wir in den m0-
dernen Sprachen vergeblich suchen.
Uebrigens verstehen es die Farbenblinden auch,
dieses ihr feines Unterscheidungsverrnögen für Lichtdif- '
ferenzen in sehr geschickter Weise practisch zu ver- ' '
werthen. Siebenutzen es vcrnehmlich dazu, um Farben, I
die ihnen in Fclge ihres Daltcnisxnus als gleich erschei­ ‘
nen, v0n einander zu unterscheiden; sie bemerken nam- `f
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