HomeZur Sicherheit des Lebens in den Theatern mit besonderer Berücksichtigung der TheaterbrändePagina 8

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l Denn nicht blos ein Brand, jeder andere ungewöhnliche, l
g wenn auch nur schein bar gefahrverheissende Vorfall -
l etvva ein plötzliches Erlöschen der Beleuchtung, das zufällige J
T Herabstürzen eines Constructions­ oder Decorationsstückes, das
l ungewollte Ertönen irgend welches Alarmzeichens, ja sogar
l nur eine etwas mehr als gewohnte Undulation des Bühnen­
vorhanges ·- kann unter Umständen das heutzutage gerecht-
fertigter Weise nur allzusehr auf seine Hut bedachte Publi-
i cum zum uhastigen Verlassen seiner Plätze und zur wirren
l Flucht nach den Ausgängen treiben.
Aus diesen Gründen ist eine darauf in erster Linie
Rücksicht nehmende Anlage der Theater unabweislich und wohl
auch allenthalben zugestanden.
Ueber neu zu erbauende Theater können hier wohl
l nur einzelne Andeutungen ihren Platz finden. An tatt, wie
bisher, bei der Anlage der neuen Theater die arohitekto-
nische Lösung zur Hauptsache zu machen und die -­
heute wissen wir es - das Publicum vital und ausschliesslich
interessirenden Gänge, Stiegen und anderen zugänglichen
’ Nebenräume mit nachlässiger Gleichgiltigkeit als Neb en s ach e
zu behandeln, muss eine rationelle, drakonisch vorschrei­
bende Theaterbau­Ordnung die für das Publicum be-
stimmten Räume in Bezug auf ihre Bequemlichkeit und
leichte Zugänglichkeit in erste Linie stellen, und etwas _
weniger auf die bei jeder Gelegenheit in den Vordergrund ge-
sehobene ,,Aesthetik" pochen. Zuerst das Publicum und
dessen Bequemlichkeit und Sicherheit, dann erst die ästhetischen
Empfindeleien l
Möglieherweise gelangen wir doch, Dank der grässlichen `
Katastrophe vom 8. December, dazu, dass das Publicum,
wenigstens dort wo es dafü r zahlt, auch Forderungen stellen
kann, dass dasselbe in den Theatern nicht wie eine ·zur
Schur bestimmte Schafherde, sondern als willkommener é
(zahlender!) Gast wiirdig aufgenommen werde. Soll aber
dies erreicht werden, so muss das Publicum an sich zur Ein- {
sicht und zur Werthschätzung seiner selbst kommen. Viel- ,
leicht sagen sich jetzt die Theaterbesucher: ,,Wir sind die
Souveräne des Schauspielhauses, ohne uns gäbe es keine Theater;
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