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56 Ueber Nahrung und Fleischextract.
è; Der Mensch kann ohne Fleischsuppe und Fleischextract leben, das
i ist keine Frage, gleichwie er auch ohne Thee und Kaffee, ohne
3, Bier und Wein, ohne Zucker, ohne Salz und Pfeffer leben kann -
lg ,,aber fragt ihn nur nicht, wie'?" Ich wüsste zum Ersatz der
Fleischbrühe vorlauiig kein Mittel zu empfehlen , was besser, oder
nur ebenso gut und wohlfeiler ware. Nach meiner Ansicht bliebe
nichts übrig, als zu versuchen, es aus wohlfeilerm Material zu be-
’ reiten als bisher, oder es aus seinen Bestandtheilen künstlich
IQ, zusammenzusetzen, etwa wie man künstliche Mineralwasser macht.
Bis jetzt geht das aber noch nicht an, und es muss vorlaufig noch Q
aus Fleisch gemacht werden, ebenso wie Bier aus Gerstenmalz und
i Wein aus Trauben. Die organischen Bestandtheile des F leisch-
extractes kennt man noch viel zu wenig, als dass man nur anfan­
gen könnte, sie aus billigeren Stoffen herzustellen und im gehöri­
gen Verhaltniss zusammenzumischen. Mit den Salzen könnte man
es eher versuchen, aber auch dieser Theil der Auigabe würde in
der Praxis die grössten Schwierigkeiten machen und keinen An-
l klang finden. Das Salz im Fleischextracte ist keine einfache ,l
{ · I chemische Verbindung, wie das Kochsalz der Salinen, sondern ein L
Gemenge von mehreren verschiedenen Salzen, aber in sehr be- ~
stimmten Verhältnissen, und gerade diese Mischungsverhaltnisse .
sind für den Organismus etwas ganz Wesentliches; jede Abwei-
chung davon ware eine Verfälschung oder Verunreinigung. Das
ist gewiss ein wesentlicher Grund, warum überhaupt sich zu Nah-
rungsmitteln nur Naturproducte eignen, warum man sie nicht aus
ihren _einzelnen Bestandtheilen künstlich zusammensetzen kann
und darf. So ein Muskelsalz ist zwar ein noch ziemlich einfaches ‘
Ding, aber ich zweifle, ob sich ein Chemiker anheischig machen
könnte, dafür zu sorgen, dass alle Fabriken, welche sich daniit ab-
geben würden, den Artikel stets so rein und in so uuverandert e
gleichmässiger Mischung dem Publicum liefern, wie der lebendige
Muskel des Thieres, also die Natur selbst es bewirkt. In Fray­
iii, Bentos wird das Fleischextract eigentlich nicht in der dortigen
: _i Fabrik gemacht, sondern die in den Grasebenen oder Pampas wei-
denden Rinder bereiten es durch ihren Lebensprocess, wie die Bie-
nen den Honig; in der Fabrik werden nur die das Fleischextract
enthaltenden T hiere geschlachtet, das Extract aus ihren Muskeln
ausgezogen, von anderen Bestandtheilen geschieden, abgedampft
‘ ° und in Blechbüchsen gefüllt. Baron v. Liebig und ich haben nie
i s zu untersuchen, ob kein Bestandtheil vergessen, keiner verwech-
selt, keiner verhältnissmässig zu viel und zu wenig dazu genommen

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