HomeÜber den Werth der Gesundheit für eine StadtPagina 42

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i l 36 Zweite `·'icrlesung·.
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ïi einzugehen, aber die Zeit, die ich für meinen V crtrag habe, würde
Eli e, z nicht ausreiclien, auch nur Einiges zu begründen; ich kann nur
Andeutungen geben, indem ich bemerke, dass die Luit in den eng-
lischen Wchnungen durchschnittlich reiner gehalten wird, als bei
3 ` uns, theils dadurch, dass sie in Folge grösster Reinlichkeit im
i ` Hause bei ihrem Durchgange durch dasselbe weniger verunreinigt
‘, wird, und dann auch, weil sie schneller wechselt. Dazu trägt
.: namentlich der englische Kamin in jedem Wehnzimmer viel bei,
ll ` welcher einem stets 0li‘enen Fenster für den Abüuss der Zimmerluft
W ins Freie gleich zu achten ist. Der englische Kamin ist ein sehr
1 schlechter Apparat zum Heizcn, aber er ventilirt gut, und trägt ,
V ` dazu bei auch zur Zeit, we nicht geheizt wird. Man fürchtet sich
in England überhaupt weniger vor Zug, als bei uns, und ich glaube
wirklich, dass diese Praxis cder Gewchnheit einen wesentlichen
I Antheil an der allgemeinen Gesundheit hat.
Weiter ist eine wichtige Frage der Grad der Ueberfüllung
gj; __ der Wclmungen mit Menschen, denn ein Raum, der für zwei Per-
ägj scnen hinreichend ist, kann für drei und vier schon viel zu klein
sein, wenn sie zum Sitzen, Gehen, Stehen und Liegen auch noch
Alle Platz haben. In München besteht eine Wohnungsnoth nicht
s0w0hl in dem Sinne, dass die Zahl der Wchnungen zu gering ist,
sondern dass sie zu klein und zu wenig geräumig sind. Unsere
Baumeister scheinen förmlich darauf zu studiren, wie sie die grösste
Anzahl ven Zimmern oder Piècen auf die kleinste Quadratiläche
zusammendrüngen, in den kleinsten Raum hineinpressen können,
ii, sc dass eine jetzt gebaute VV0l1nung mit S Zimmern oft nicht mehr '
ltaum hat, als lrüher eine mit 4 oder 5 Zimmern. Man denke sich
die kleinen, überfüllten Wchnungen und die Furcht der meisten
‘, Menschen vcr Zugluft und Külte; ferner dass ein grcsser Theil der
‘ Luftmenge, welche ven aussen in die Hauser lVIünchens eindringt,
, ihren Weg vcrher durch Abtrittschläuche und Küchenausgüsse '
Q nimmt, ehe sie ven den Bewohnern der Zimmer eingeathmet wird,
i i und man wird sich der Ueberzeugung kaum erwehren können, dass
if ` in unsern Wchnungsverhêiltnissen Manches liegen mag, was der ‘
ll allgemeinen Gesundheit schadet, die Sterblichkeit erhöht und in `
g, Zukunft theils durch Belehrung, theils durch Vercrdnungen gebes­
i l sert werden muss.
i Die Staatsgewalt oder die Pclizei hat in der Regel den besten
Q ' Willen, sie führt recht gern durch, was ihr die medicinische Wis~
ï senschaft handlich in die Hand gibt, aber in unserer Bau~ und
ii gê Wehnungspclizci ist ncch viel zu thun. Aus Mangel an grösseren
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