HomeÜber den Werth der Gesundheit für eine StadtPagina 34

JPEG (Deze pagina), 906.08 KB

TIFF (Deze pagina), 6.55 MB

PDF (Volledig document), 55.33 MB

,- 28 Zweite Vorlesung.
il? i Wasser ist ein Hauptmittel für die möglichste Reinlichkeit im
Hause, und diese wird gehindert, wenn man jeden Tropfen Wasser
,‘ erst mühsam in die Wohnungen bis in die obersten Stockwerke
w sclileppen muss. Es ist gerade so, als wenn man die Luft für
V jeden Athemzug, den man machen will, zuerst mit einem Ballon
‘ aus dem Freien holen müsste: da wird J edermann zugeben, dass ,
man durchschnittlich weniger gut und weniger lang athmen würde.
ig Aehnlich ist es mit der unbehinderten Wasserzufuhr für alle
{ Zwecke des menschlichen Haushaltes. Eine reichlichere Zufuhr
; von Wasser bedingt auch wieder bessere Vorrichtungen für die
;,‘ ` Abfuhr des gebrauchten Wassers und anderer Unreinigkeiten. ‘
Ebenso ist die Verpestung der Wohnungen durch schlechte Abtritte
eine anerlïannte Gesundheitsschädlichkeit, und auch darin in
München noch viel zu thun, - aber ich könnte mich nicht ent-
schliessen, der Stadt München in Aussicht zu stellen, dass ihre
Mortalitat ohne Weiteres von 33 auf 22 pro mille sinken werde,
wenn sie in diesen drei Beziehungen auch alles thut, was zu thun
{14; ist, und was man nur verlangen kann.
Gerade wenn man die Gesundheitsgeschichte von London ins · i
Auge fasst, kann man sich keiner so sanguinischen Hoffnung hin-
geben. Schon in dem Zeitraume von 1846 bis 1855 hatte London
nur mehr eine Sterblichkeit von 25 pro mille, trotz zwei Cholera­
epidemien, welche in diesen Zeitraum iielen. Damals stand es
um die Canalisirung und um das Trinkwasser von London durch-
schnittlich noch sehr schlimm, ja so schlimm, wie es in München
gegenwartig nicht ist, und auch gar nie gewesen ist. Das war die " f'
Zeit, als sich ein wahrer Sturm gegen die so mangelhafte Canal-
anlage Londons erhob, welche die Ufer der Themse in einer Weise
verunreinigte und verpestete, dass im Sommer zur Zeit der Ebbe
des Meeres, die auch im Flusse, in der Themse, sich weit strom-
aufwarts noch fühlbar macht, ein Gestank herrschte, dass deshalb ein- v
mal sogar die Parlamentssitzungen vertagt werdenmussten. Das
H! war die Zeit, als der grosse Naturforscher Faraday auf einer
gl; Themsefahrt, die er am 7. Juli 1855 Mittags zwischen 1/22 und
2 Uhr von der Londoner bis zur Hungerforder Brücke machte, bei
‘i jedem Pier, d. h. an jeder der sieben Stationen, an denen das
Schiff auf dieser Strecke anhielt, überall constatirte, dass ganz
la weisse Körper, die er in diesem Themsewasser untersinken liess,
lg schon einen Zoll unter der Oberilache nicht mehr sichtbar waren, I
trotz des hellsten Sonnenscheines. Faraday hielt seine damalige 5
Beobachtung für wichtig genug, um sie noch am namliohen Tage
i I
li, v
51 F
ll `
,
._ M8, _ _x ,