HomeÜber den Werth der Gesundheit für eine StadtPagina 31

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` Zweite Vorlesung. 25
in denen die Sterblichkeit bei weitem grösser ist, als in London, · v
z. B. sterben in Birmingham noch 27, in Manchester 30, in Oldhain i
sogar 40 pro mille. Da wohl überall wohnen Englander im eng- ,
lischen Kliina, und doch diese grossen Unterscbiede, über deren ­
Ursachen man sich auch in England durchaus noch nicht hin-
Y reichend klar ist. _,
Auch von Arbeit und Beschaitigung kann dieser grosse Unter-
schied unmöglioh herrühren, denn bei uns wird nichts gearbeitet, {
was nicht auch in England gearbeitet wird. Wir strengen uns l
auch nicht verhaltnissmässig mehr an und nutzen uns durch
ii schwere Arbeiten etwa mehr ab, im Gegentheil, die grössere Lei-
" stungsfahigkeit des englischen Arbeiters ist überall anerkannt. r
Auf die Gesundheit einer Bevölkerung hat der arztliche Stand, ,i
; dann alle Anstalten zur Heilung und Pfiege von Kranken unzweifel­ j
hait grossen Einfluss. Es ist leider eine Thatsache, dass durch ,4
verkehrte arztliche Behandlung, durch unwirksame oder verfälschte l
Arzneien, durch schlechte Wart und Pflege mancher Kranker nicht
nur viel langer liegen muss, sondern selbst das Leben verlieren ,_
"L kann. Durch’gute Behandlung der Kranken wird ihre Gesundheit l
nicht nur schneller, sondern auch vollstandiger und öfter wieder ,
hergestellt, als durch eine entgegengesetzte. Für die öffentliche
Gesundheit ist daher Alles von Wichtigkeit, was Aerzte und
Anstalten für Kranke betrifft. Li
Es ware die grösste Ungerechtigkeit, wenn man die geringere
A., Sterblichkeit in London und die grössere in München einem Unter- T;
l` schied in der Qualität der Aerzte und der Heilmittel und Heil-
anstalten zuschreiben wollte. Da überheben wir uns gewiss nicht,
wenn wir der Ansicht sind, dass bis jetzt wenigstens die arztliche l
ïg Praxis in ganz Deutschland durchschnittlich in viel besser quali­ ,
,j {icirten Handen ruht, als in England, wo der arztlichen Pfuscherei ;
" von jeher Thür und Thor geöffnet war. Bei uns durften bisher
nur geprüfte Aerzte prakticiren, die Piuscherei und Quacksalberei ïj
jedes Nioht­Arztes War sogar gesetzlich strafbar; erst seit Ein-
führung des deutsohen Reichsgewerbegesetzes wird Curpfuscherei
nicht mehr gestraft. Manche beiürchten, dass daraus grosse Nach- V
theile für die öiïentliche Gesunclheit erwachsen werden. Ich glaube ‘,
zwar nicht, dass diese dadurch einen bemerkbareren Schaden, als
in England erleiden werde, und dieses Gesetz wird nach meiner
Ansicht auch dem arztlichen Stande nicht schaden, der in seinem ,
i Wissen und in seiner Bildung ein viel grösseres Privilegiurn und ,l
einen viel machtigern Schutz besitzt, als ihm die strengste Gewerbs­
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