HomeÜber den Werth der Gesundheit für eine StadtPagina 30

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24 Zweite Vorlesung. ‘
Eu da Alles mitgewirkt, und wie viel jedes Einzelne gewirkt hat. Die I
ii öiientliche Gesundheitspflege im weitesten Sinne hangt init Allem
H ,_ zusammen, was auf das Wohlbefinden und das Leben der Menschen
‘> nl nur irgendwie von Einiluss ist. Das Gebiet derselben könnte daher
geradezu als unbegrenzt oder unbegrenzbar erscheinen. Sehr enge
je oder unveränderliche Schranken sind auch nicht zu ziehen, aber «
von dem, was Alles in ihr Bereich gehört und gezogen werden
;’ kann, hat sehr Vieles doch ein näheres und ferneres Interesse; es
,i wird daher hinreichend sein, sich mit den nachsten und dringend-
] sten Aufgaben zu beschäftigen. Wir haben es mit einem reich-
liehen Zusammeniluss von verschiedenen Ursachen und Wirkungen {
; zu thun, nicht mit einem einfachen Recepte, was vielleicht Mancher ~
ïï erwartet, und man muss sich sehr hüten, einzelnen Momenten, ein-
zelnen Ursachen zu grosse oder gar die ganze Wirkung zuzu­ T
schreiben; man würde da den namlichen Fehler begehen, den ich
i in der vorigen Vorlesung bei Denen gerügt habe, welche den Ge-
sundheitszustand der Stadt München von einer einzigen Krankheit,
vom Typhus, abhängig sein lassen.
Qi Beschaftigt man sich etwas näher mit der Frage, warum wohl "L
lg, E. die englischen Städte durchschnittlich eine so viel geringere Sterb­
lichkeit haben, als die Mehrzahl der deutschen, so drängen sich
uns verschiedene Fragen auf. Liegt es im Klima, in der örtlichen
Lage, oder in einem Nationalitats­Unterschiede? Sind in Eng-
land etwa die Aerzte zahlreicher, oder besser unterrichtet, oder
geschickter? Hat man dort bessere Apotheken, oder bessere An-
A stalten zur Heilung und Pflege der Kranken? Wird dort etwa mit L`
Geheimmitteln und sonstigen Curpfuschereien weniger Schwindel,
auf englisch Humbug, getrieben? Hangt es mit Nahrung, Woh-
nung, Kleidung, mit Arbeit und Beschäftigung, mit Sitten und 5;
Gebrauchen, mit gesetzlichen oder socialen Verhaltnissen zusam- {T
A`; men? Ist es eine Folge besserer Canalisirung und Wasserversor­ "
gung, wie so vielfach angenommen wird? Suchen wir auf diese
liïïi Fragen uns einige Antwort zu geben.
gb Vom Menschenschlag oder von Racenverschiedenheit, vom
Klima, von der örtliohen Lage, überhaupt von allen im Laufe der
V Zeit nicht oder kaum veranderlichen Momenten kann der grosse
Unterschied nicht abhängen, denn noch im vorigen Jahrhunderte
, i war die Sterblichkeit in London 35 pro mille, also höher, als gegen-
wärtig in München, und auch damals war London von Englandern
bevvohnt, und hatte kein anderes Klima und lag an keiner andern i
Stelle als jetzt. Es gibt auch noch heutzutage in England Städte,
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