HomeÜber den Werth der Gesundheit für eine StadtPagina 23

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Erste Vorlesung. 17 i
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"€l€"» zeigen will, Welch’ riesige Gesundheit er habe, dass ihn das Ner­
ml? venfieber noch nicht geholt hat.
sung ;
dee Also wir wollen künftig unser N ervenfieber durchaus nicht gl
U1n- abläugnen, auch nicht ablassen, sondern vielmehr Alles aufbieten, l
hrie- dass es noch immer weniger wercle, wie es ja thatsächlich schon
abgenommen hat, aber wir brauchen uns deshalb nicht so herun­
auch tersetzen und verrufen zu lassen, wie es vieltach geschehen ist und ii
ank- noch geschieht. Auch unser Trinkwasser brauchen wir nicht ­
und so verachten zu lassen, es ist viel besser und reiner als in ’,
tlich vielen Orten, die sehr wenig von Typhus zu leiden haben, und i
eifelt Wir trinken das namliche Wasser auch in den J ahren, in welchen i
hat der Typhus aus München nahezu verschwunden ist, und zu Zeiten, _
utig­ wo Typhus herrscht, bleiben auch cliejenigen, welche keinen Trop­ i’
enso fen Wasser trinken, nicht irei von dieser Krankheit. Es ist merk-
bald würdig, wie leicht dann aber diese Trinkwassertheoretiker stets
und eine ätiologische oder ursächliche Erklarung zur Hand haben, gl
wenn man fragt, woher sie denn trotz ihrer strengen Enthalt-
Ge- samkeit vom Wasser doch krank geworden sind? In diesen Fäl­
iebe len haben sie den Typhus dann nicht vom Wasser, aber dafür l
ihus von einem schlechten Bier bekonnnen. Da war etwas im Bier.
iten Selbst das königl. Hofbräuhaus ist kein ganz sicheres Asyl gegen die
aim- Krankheit, welche sich zeitweise auch aus dessen Stammgästen <
sich ihre Opfer holt. 1
von Z
gm Beschäftigen wir uns jetzt lieber mit der Frage, ob und wie ‘
Ssig w1r den Gesundheitszustand von München überhaupt noch ver-
und bessern können, ob wir Hoffnung haben dürfen, von 33 pro mille, L
,,,,,1 der gegenwartigen Mortalitätszifler von München, auch auf 22,
t in auf die Ziffer von London, herabzukommen. Es freut mich von il
Mh Herzen, es ohne jeden Rückhalt, ohne jecle reversatio mentis, wie
sei, die Juristen sagen, aussprechen zu lïönnen, dass es mir möglich
mb Scheint, und dass man daran glauben darf. Es geht nur nicht
age Von selbst, wir müssen auch etwas thun dafür. l
atm Um Ihnen aber denselben Glauben mitzutheilen, den ich habe, ii
uur muss ich vor Allem ein Vorurtheil zu entfernen suchen, von dem
ml eine grosse Anzahl der Menschen beherrscht ist, nämlich, dass es l
mh früher besser gewesen sei als jetzt, dass sich die Welt verschlech­
_ ‘ tere, dass früher die Menschen nicht nur langer gelebt haben, als
mh jetzt, sondern auch, dass sie viel weniger krank, viel grösser und ,
md stärker gevvesen seien, als gegenwärtig.
v. Pettenkofer, Vorlesungen. 2 i
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