HomeÜber den Werth der Gesundheit für eine StadtPagina 22

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16 Erste Vcrlesung.
einem längern Aufenthalt in München förmlich gewarnt werden,
E vor Stuttgart, Berlin und Wien oder Rem aber nicht im gering-
` sten, so ist das eine cffenbare Ungerechtigkeit. Die Veranlassung
dazu hat aller Wahrscheinlichkeit nach die Ueberschätzung des
1 Einiiusses des Typhus gegeben, vielleicht nebenbei auch der Um-
Y stand, dass in München von dieser Krankheit viel mehr geschrie-
ben und gesprcchen wird, als anderwärts.
· 1, An dem Typhusrencmmé von München sind möglicherweise auch
» die hervorragenden Untersuchungen über die Ursachen dieser Krank-
‘ heit etwas Schuld, welche hier von den Professcren Buhl und
,_ Seidel und Anderen angestellt worden sind, und die ,' namentlich
I sc lange die Ansichten dieser F crscher neu waren und bezweifelt
wurden, sehr viel und häuiig von sich reden machten. Nun hat
I Virchcw kürzlich nachgewiesen, dass auch in Berlin die Haring-
keit des Typhus mit den Schvvankungen des Grundwassers ebensc
wie in München zusammenfällt, und ichwünschte , dass jetzt bald
e dieiZeit käme, we man nur mehr ven dem Typhus in Berlin und
·» nie mehr ven dem in München spräche.
g Uebrigens haben viele Münchener, wenn sie auch nicht dem Ge-
; Iehrtenstande angehören, von jeher mit einer gewissen Vcrliebe
namentlich Fremden gegenüber von ihrem Nerveniieber oder Typhus
gesprochen, wie ven einer der merkwürdigsten Merlïwürdiglceiten
der Stadt. Ich hatte eimnal Gelegenheit, bei einer Fahrt heim-
wärts nach München ein Gespräch mit anzuhören, welches sich
5, zwischen einem Beisenden von Berlin und einem Einwohner ven
` München im Coupé entspann und das mir unvergesslich bleibt.
Der Berliner rülnnte, wie in seiner Stadt Alles verhältnissmässig
_, gut bestellt sei, auch was man dcrt für ausgezeichnete Aerzte und
§ Krankenanstalten habe, Wie deshalb auch der Gesundheitszustand
beiriedigend sei, und sagte, dass _er leider höre, dass es damit in
a, München schlimm stehe, und da er jetzt auf einige Tage nach
T München gehe, möchte er doch wissen, ob es wirklich so arg sei,
V wie man es mache. Der l/lünchener vertrat seine Stadt mit icl-
genden Wcrten; ,,Na! kommen Sie nur einmal auf vierzehn Tage
i zu uns, unser Nerveniieber hat Sie gleich. Und wenn Sie jetzt
nach München kommen, machen Sie es, wie ich, trinken Sie nur
·‘ keinen Tropien Wasser." Sc lautete wörtlich die Einladung an
einen I·`remden, auf 14 Tage nach München zu kommen.
al Diese Eigenthümlichkeit des Münchners, welche gewiss auch
schon Manchem unter Ihnen gelegentlich auigefallen ist, kann ich
‘ mir nicht anders erkläiren, als dass er damit nur ausdrücken und
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