HomeÜber den Werth der Gesundheit für eine StadtPagina 19

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. Erste Vorlesung. 13 V,
eine Stadt eine Epidemie hat, der Krankenstand ein ganz anderer, '
als zu anderen Zeiten. Es 1nuss als ein Grundsatz der Stadtever-
waltung festgehalten werden, dass die öffentlichen Krankenanstal- si
ten nicht nur für den durchschnittlichen Krankenstand, sondern
auch für den höchsten ausreichend seien. Das allgemeine Kran- {
kenhaus zu München, welches 1813 eröflnet wurde, war diesein 1
AI · Grundsatze entsprechend angelegt, aber damals hatte München _
36,000 Einwohner. Es darf daher Niemanden Wunder nelnnen, dass 1
das früher und oft als so geräumig gerühmte Krankenhaus für ,l
· das gegenwärtige München mit 170 000 Einwohnern bereits viel
zu klein geworden ist, welchem Mangel der Ban eines Kranken­ ·
hauses in Haidhausen und der eines Aushilfs­Krankenhauses neben
dem Allgemeinen nur unvollständig abhilft. Je nach dem Kran-
kenstand in der Stadt hatte das Allgemeine Krankenhaus in einem l ‘
Jahre nur 5000, in einem andern über 9000 Kranke zu ver-
ptlegen. ‘
Die einzige Krankheit, der Typhus, macht in München schon E
sehr beträchtliche Unterschiede in der Krankenzahl verschiedener
’ Jahre. Wir haben Jahre mit nur 100 Todesfällen an Typhus, , {
und wieder andere mit fast 600 gehabt. Man kann auf 1 Todes­
fall an Typhus fast 10 schwere Krankheitsfälle rechnen, und da
sich diese hauptsächlich auf 3 bis 4Monatc des J ahres zusammen- Vl
drängen, so entsteht dadurch nicht bloss ein Gedrange überhaupt, 1
sondern dieses verursacht auch wieder eigene Kosten, um ihm zu ‘
, begegnen. Die Yerptlegstage eines Typhuskranken durchschnitt­ Y
lich zu 30 Tagen angenommen, gibt es in einem Jahre 30 000, in r
einem andern 180 000 Typhustage.
Wir Alle lieben München als unsern Wohnsitz, die meisten ,
von uns sogar als ihre Heimat. Was man hebt, halt man gewöhn­ `
, lich für das Beste, und gesteht nicht gern zu, dass es noch etwas Bes- al
seres gibt, man will einen Grund für seine Liebe haben und täuscht l
sich daher oft mit dem Gedanken, was man liebe, sei schon des- »
halb auch das Beste. Das ist aber eigentlich nur Egoismus und
nicht die rechte Liebe, die auch im Unglücl; die Trene halt, und
nicht weicht, wenn’s auch schlimm geht; das ist nicht die Liebe, ïi
welche ihren Gegenstand veredelt und ihn allmälig von einer nie-
dern auf eine höhere Stufe hebt, was aber die wahre Liebe thut,
welche das Beste und Vorzüglichste dem geliebten Gegenstande
nicht bloss andichtet, sondern wirklich zu verschaffen und anzueig­ _
nen sucht, so weit es rechtniässig möglich ist. Nachdem ich diese
Liebescrklärung vorausgeschiclct habe, darf ich wohl daran gehen, <

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