HomeÜber den Werth der Gesundheit für eine StadtPagina 15

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Erste Vorlesung. 9 l
beschadigt wird und nicht von einem Andern, so kann er dafür
wohl von Niemandem Ersatz oder Entschädigung verlangen, aber
deshalb ist sein Schaden nicht geringer, als in dem Falle, wo er
einen Andern als Urheber belangen kann, er hat jetzt den Scha- gl
den nur ganz allein zu tragen. Wenn alle Krankheitsfalle, welche
im Jahre in München vorkommen, als von der Stadt verübt und 1
zugefügt angesehen würden, und vor dem Richter auf Entschädi- {
dung und Schmerzensgelcl eingeklagt werden könnten, würde wohl
kein Gerichtshof gross genug sein, und die Stadt, wenn sie in jedem
, Falle verurtheilt würde, könnte wohl bald nicht mehr zahlen, ohne
ggrosse und drückende Steuern von den Gesunden zn erheben. 3-
X Bei uns würde man vorlaufig allerdings noch verlacht werden, «‘
l wenn 1113,11 etwa ein Gesetz einbringen wollte, welches die Gemein­ 4.
i den für Schaden an der Gesundheit ihrer Glieder und Fremder ’
verantwortlich und entschädigungspflichtig machte; aber in Eng-
land, wo man im Gesundlieitswesen entschieden weiter ist, als bei
uns, ist die öiientliche Meinung eine ganz andere. Dort ist bereits
von sehr maassgebender Seite (John Simon) allen Ernstes ein- ,·
i" mal schon die Frage aufgeworfen worden, ob denn nicht bloss die ‘.
Wasserleitungs­Gesellschaiten, sondern auch die Ortsbehörden für l
den Schaden verantwortlieh sein sollen, der durch Verabsauinung ~
ihrer Ptlichten entsteht, und dass die Gesetzgebung den Anspruch
i ` der Beschädigten auf Geldentschädigung gerade wie bei einem
Eisenbahnunglück feststellen müsse.
l, Die nachste Frage ist nun, wie viel Krankentage durchschnitt­
l lich im Jahre für jeden Menschen zu rechnen si11d ? Man hat dar-
über ziemlich sichere Anhaltspunkte. Es gibt viele Menschen,
die so glücklich sind, keinen Tag im Jahre krank zu sein, dafür
aber wieder andere, welche viele Wochen, ja viele Monate lang
{1 krank darnieder liegen. Die Statistiker nehnien an, dass im `
‘ l)urchschnitt der Mensch von den 365 Tagen des J ahres 19 bis 20 E
Tage, also etwas über 5 Procent der Zeit krank ist. Um eine
runde Zahl zu haben, wollen wir 20 Tage im Jahre nehmen, welche
die Menschheit durclischnittlich gleiclisam als Krankheitssteuer
zahlt. r
Wenn man diese drückende Steuer ablösen könnte, wie man ,
Zehent, Schaarwerk und andere persönliche Frohnlasten abgelöst
hat, da wiirden wir zu einer billigen Ablindungssumme uns wohl {
Alle sofort bereit erklaren, weil wir überzeugt waren, dass wir l
dadurch uns und unseren Nachkommen noch viel mehr und grössere
Vortheile sichcrn. als uns das Jahr 1848 gebracht hat. Ganz wer-
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