HomeÜber den Werth der Gesundheit für eine StadtPagina 14

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S Flrste Vorlesung.
i sunde Erwaehsene davon leben könnten. Ja die Krankheit in
Familien kostet nicht bloss Geld durch Versäumniss des Verdien-
stes, durch Ausgaben für Behandlung und Pliege, sie lähmt auch
häufig die Erwerbs­ und Leistungsfähigkeit der Nachststehenden
E durch Seelensehmerz und Theilnahme.
; Alles in Allem genommen dürfte für jeden Kranken an Kosten
und an Versäumniss des Verdienstes bei den gegenwartigen Le-
gt? henspreisen im Durohschnitt wohl nicht weniger als ein Gulden
. im Tage gereehnet werden. Das ist gewiss nicht zu hoch ange-
' ; nonnnen, wenn man bedenkt, dass selbst unsere ölientlichen Kran- ,
j kenanstalten, die auf dem Principe der Wohlthatigkeit ruhen und
l Vieles gar nicht in Ansohlag zu bringen haben, schon immer 42 bis Q
”- ‘ 48 Kreuzer allerinindestens jeden Tag für einen Kranken gerech­ l
{ag net haben, welchen sie nicht unentgeltlioh aufnelnnen, welche T
Taxen in neuerer Zeit wesentlich erhöht werden mussten. Und
. auch bei diese1n Preise ist noch haulig festgesetzt, was der Kranke
. ausserdem noch eigens bezahlen inuss, wenn er es brancht oder
haben will. Ein guter Arbeiter, der im gesunden Zustande täglich
2 Fl. verdient und krank geworden 42 Kr. täglioh zahlen muss, anstatt i"
J dass er 2 Fl. verdient, hat, selbst abgerechnet, dass er in gesunden
ii Tagen auch leben muss, einen taglichen Verlust von mehr als 2Fl., ,
A die er nach seinerGenesung durch erhöhte Thätigkeit wieder her-
g einbringen niuss, wenn er vorwärts kommen will. Ein Gulden i `
$_ Verlust und Kosten für einen Tag und einen Kranken ist nach
i #'ersicherung von allen Sachverstandigen gewiss als ein durch-
Q sehnittliehes Minimum anzunehmen.
t Dass die Krankheit ein taxirbarer Gegenstand im Leben ist,
_. erweist sich am deutlichsten an unserer Gesetzgebung über Kör-
perverletzungen und Beschädigung der Gesundheit durch Andere.
l Das Gesetz huldigt de1n Grundsatze, dass der Beschadigte keinen g.
4 Gewinn davon haben darf, dass er einen Schaden an Leib oder ·
gl? Gesundheit erlitten hat, aber der Thäter, gleichviel ob er absieht­
TT lich oder nur fahrlässig gehandelt hat, ist inindestens zum vollen
Schadenersatz, unter Umstanden auch zur Bezahlung von Seh1ner­
zensgeld verpliiehtet. Je nach Clëlïl Falle reehnet sich die Ent-
schüdigung bekanntlich hoch und niedrig; aber 1 Gulden per Tag
{ und Fall würde im Durchschnitt vor Gericht nicht ausreiehen. Das
gleiche Prineip liegt den Reiehsgesetzen über die Entschadigungs­
lj pliicht der Verwaltungen von Eisenbahnen, Bergwerken, Fabriken etc.
bei Unglüeksfallen zu Grunde.
Wenn Riner nun von selbst krank, oder durch einen Zufall
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