HomeÜber den Werth der Gesundheit für eine StadtPagina 10

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t 4 Erste Vorlesung.
’ Theorie auf einer sehr festen natürlichen Grundlage ruht, und dass Y
' eine Gemeinde, eine Stadt nicht bless Humanitätsriicksichten folgt,
1 wenn sie Opfer für Heilung von Krankheiten und für Stärkung der g
à Gesundheit ihrer Einwohner bringt, sondern dass sie dadurch zu-
Q gleich ein Capital schafft und anlegt, welches hehe Zinsen trägt.
Es ist nicht zufällig, was uns überall in der Geschichte der
5 mensehlichen Cultur entgegentritt, dass gerade diejenigen Völker,
.- welche einen sehr fördernden und mächtigen Einiiuss auf das Ganze
, ausgeübt haben, immer auch auf die Gesundheit sorgsam geachtet
haben. Es ist ein Wahrzeichen aller Culturnationen, dass sie mit <;·
klarem Bewusstsein Einrichtungen zur Erhaltung und Stärkung 1
der Gesundheit Aller treffen, dass sie nicht wie das Thier nur um
1 v sich selbst und etwa eine kurze Zeit auch noch um die eigenen
t Jungen sich kümmern. Man könnte die Thätigkeit eines Volkes
J in gesundheitlicher oder hygienischer Richtung geradezu als einen
i Maassstab überhaupt für die Grösse seiner Fähigkeiten gebrauchen,
g in der Culturgeschichte eine Holle zu spielen, als einen Maassstab
A so zu sagen dafür, wie viel gesunder Sinn auch sonst ihm inne­ A
· Wohnt.
i Was die Römer für Reinhaltung ihrer Wohnplätze und für
i Versorgung mit laufendem Wasser gethan, erregt noch heutzutage
, unser gerechtes Erstaunen selbst in den Ueberbleibseln und Ruinen,
Welche wir fast überall noch antreifen, wo einst römische Nie-
A derlassungen und Besitzungen waren.
Heutzutage glauben Viele recht reinlich zu sein, wenn sie sich
täglich Gesicht und Hände waschen, im alten Rom nahm der Aermste
täiglich ein volles Bad. Der römische König Tarquinius der Ael-
, tere, welcher 138 Jahre nach der Gründung Roms, d. i. 616 Jahre
i vor Christi Geburt, zur Regierung kam, uingab die Stadt nicht bless
init den ersten soliden Mauern zum Schutze gegen äussere Feinde
_ und errichtete viele Tempel, sondern er erbaute gleichzeitig zum
Schutz gegen einen innern Feind, gegen die Unreinlichkeit, auch ,
l die Cloaca maxima, den ersten grossen Abzugscanal, durch wel- Il
« chen der ganzc Unrath Roms in die Tiber gesehwemint werden fp
konnte. lteste dieses ältesten hygienischen Baudenkmals von Rom
sind gegenivartig noch vorhanden. t
Yitruvius erzäihlt, dass die Stadt Salapa ursprünglich an
l einer Stelle stand, we die Einwohner viel vom Fieber zu leiden Q
·_ hatten. Das veranlasste sie, die ganze Stadt nach einem vier
L röinische Meilen weiter entfernten Orte zu verlegen, nachdeni
llostilius den neuen Platz zuvor wohl drainirt hatte.
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