HomeEin Vorblick auf das Jahr 2000 oder ein Tag in einer Strafanstalt des XXI. JahrhundertsPagina 38

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Westen und Süden gelegenen Doppelfenster,
waren dicht mit üppigen Pflanzen besetzt. Die
scheidende Sonne schien schön auf blühende
Azaleen, Kamelien u. s. w. Ein Stück Poesie ,
in der Prosa des Gefängnisses, ein Stück Sommer
im harten Winter. Zvvischen den Gewächsen,
man kann sagen, unter Palmen stand der Zimmer-
bewohner, beschäftigt, seine Pfleglinge zu be-
giessen, hier und da ein 'crockenes Blatt mit
sanfter Hand zu entfernen. Ich hatte ihn schon
beini Mittagessen gesehen. Er bat um Entschul- l
digung, wenn er weiter arbeite, aber er müsse
sich beeilen, der Festes wegen fertig zn werden. ï
,,VVie niedlich“, rief ich ihm zu; ,,das hatte
ich mir nicht träumen lassen, dass ich im Ge-
fängniss so netten Pilänzchen begegnen würde.
Das ist wirklich eine hübschere Arbeit,' als die
ewige monotone Schusterei und Schneiderei der
früheren Strafanstalten.“ ‘
,,Und eine in jeder Beziehung zweckdien- i
lichere", ergänzte mein Führer. ,,Die Piiege der
i G Blumen, sie wirkt in hohem Grade veredelnd auf "
I das Gemüth des Sträflings, was man vom Schnster-
‘ handwerk nicht gerade sagen kann. Der Mensch,
der Gefühl genug; hat, hinter Kerkermauern sich
mit Blunienzucht zu beschäftigen. der ist nicht
verloren, oh er gleich lebenslänglich sässe. Hier
mein Freund, ist eine so mitleidige, zarte Seele,
dass er weinen kann, wenn ilnn eine Blume
abstirbt."