HomeEin Vorblick auf das Jahr 2000 oder ein Tag in einer Strafanstalt des XXI. JahrhundertsPagina 26

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Wir gingen also. In dem behaglich ausge­
statteten Speisezimmer fanden wir eine ganze
Reihe von Gästen bereits beim Essen. Ich wurde
vorgestellt, hörte eine Reihe von merkwürdigen ,
Namen, die ich meist nicht verstand, und wir
nahmen Platz. Der Diener legte uns die Speise­
karte vor. ,,Soupe de pois ordinaire à la Mittel-
staedt" machte den Anfang. ,,Dass wir immer
noch die genieine alte Sträilingssuppe bekommen, V
ist eigentlich nicht mehr zeitgemäss“, knurrte
mein Führer. ,,Na, immer noch besser, als früher,
als man meinte, eine solche Suppe genüge, ordent-
lich dick gekocht, überhaupt für ein menschen-
würdiges Dasein." Es folgten ,,I{rohnen­Hummer",
,,Harengs ai la Kaldeway“ bezw. ,,Beefsteaks a la
Wel1ll1eiden" mit frischen Bohnen, ,,Pigeon röti a
la maïtre de prison" u. s. w., alles vorzüglich
gekocht. Dazü kredenzte mein Wirth einen sehr
leichten, aber hübschen Moselwein. Ich griff mit
vorzüglichem Appetite zu und sagte keine Un-
Wahrheit, als ich meinem Führer bemerkte,
so gut ässe ich zu Hause höchstens an hohen `
Feiertagen. Auch hätte ich nicht erwartet, Weiii
in der Anstalt vorgesetzt zu bekommen. Früher
seien geistige Gretränke rundweg verboten ge-
wesen.
,,Das weiss ich wohl", erwiderte mein Führer,
,,aber der Ausschluss aller Spirituosen aus der
täglichen Gefängnisskost War auch ein ganz un-
begreiflicher Missgriff, um so unbegreiflicher, als
man ja schon damals eingesehen hatte, dass ein