HomeEin Vorblick auf das Jahr 2000 oder ein Tag in einer Strafanstalt des XXI. JahrhundertsPagina 22

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willig getragene Strafzwang der Vergangenheit.
Doch hier sind Wir an meiner Thüre. Bitte,
treten Sie näher und nehmen Sie Platz."
Ein helles, zweiienstriges Zimmer nahm uns
auf. Sehr hübsch eingerichtet, das musste ich
zugestehen. Ein riesengrosser Abstand gegen V
unsere heutigen, doch auch schon recht bequemen
Zellen. Selbst der unvermeidliche Klimper- und
Marterkasten stand in Form eines eleganten
Flügels mitten im Zimmer. Ich äusserte laut
mein Staunen, dass die Volksvertretung, die früher ·
mit jedem Pfennig knauserte, wenn es sich um
Gefängnisse drehte, jetzt Geld und Sinn für
sclchen Luxus bewillige.
,,Die V0lksvertretung?“ fragte mein Führer
erstaunt, ,,die stattet nur die cberen Stockwerke
aus, hier unten Werden die Zimmer nur unmöblirt
vermiethet, man überlässt die Einrichtung dem
jeweiligen Miether. Das sind meine eigenen
Saclien. Der Staat steht sich sehr gut dabei,
diese Veriniethungen bringen einen guten Theil
der Strafvcllzugskosten auf.“
,,Darf denn in der Anstalt Klavier gespielt
werden“, fragte ich mit erstauntem Blicke auf
den Flügel. ·
,,Selbstverständlich“, erwiderte mein Führer,
,,was sollte denn dem entgegenstehen? Alle In- 1
strumente, mit Ausnahme der Pauke, sind erlaubt.
Hier in der Anstalt sind allein mehr als 100 Kla-
viere", fügte er mit Stolz hinzu. ,,Spielzeit ist
Abends von 7 bis 10 Uhr. Schade, dass Sie von dem