HomeEin Vorblick auf das Jahr 2000 oder ein Tag in einer Strafanstalt des XXI. JahrhundertsPagina 21

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Ruhe unmöglich machen. Uebrigens sind diese
Sehalldämpfer schon recht lange in den Anstalten
eingeführt, und die Bewegung, die sehliesslich zu
ihrer Ansehaffung führte, reicht erwiesenermaassen
bis in das vorige Jahrhundert zurück. Schon zu
jener Zeit hat man das Fehlen der Einrichtnng
bitter empfunden. Es haben sich schon damals
die Insassen eines Zuchthauses bitter beklagt,
dass sie jede Nacht durch den Offizier, welcher
g die militärisehen Posten revidirte, die man damals
5 auf die Gänge zu stellen beliebte, gestört Würden.
Dass in jenem barbarischen Zeitalter diese ge-
rechtfertigten Klagen nicht durehdrangen, ist
leicht verständlioh.“
,,Richtig", fügte ich ein, ,,ich vermisse ja
die militärisehen Wachen vollkommen‘°.
,,Das glaube ieh“, sagte mein Führer, über-
legen lächelnd, ,,sie sind auch nicht mehr vor-
handen und nicht mehr nöthig. Dass sie nicht
mehr nöthig sind und dass sie früher nöthig
waren, kennzeiehnet am besten den Umschwung
des Strafvollzugswesens. Heute länft Keiner
mehr davon, früher als man die unmenschliche
Behandlung des Sträflings zur Regel machte, da
musste man auf Entweichungsversuche und Mente-
reien gefasst sein. Gerade darin, dass heute
Jeder seine Strafe frei auf sich nimmt, liegt ja
der grosse Fortschritt gegen friüher, denn es ist `
klar, dass diese freiwillig in der Erkenntniss
ihrer Vorzügliehkeit ertragene Strafe besser
_ wirken muss, als jener rohe, von Jedem wider­