HomeEin Vorblick auf das Jahr 2000 oder ein Tag in einer Strafanstalt des XXI. JahrhundertsPagina 15

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Erzwingung blinden Gehorsams vorher vernichtet
habenw
,,Ein kühner und schöner Gedanke", rief ich
unwillkürlich aus.
,,Weil wir auf diesem Standpunkte stehen,
müssen wir von Disciplinarstrafen, wie sie die
Vergangenheit kannte, absehen. Der Anstalts­
direktor als so lcher hat überhaupt keine Straf-
befugnis mehr. Er ist nur noch Volls'creckungs­
V organ. Verhängt werden die Disciplinarmaass
" ·‘ regeln von einem durch das Vertrauen ihrer
Anstaltsgenossen aus den Sträflingen selbst ge-
‘ wählten Ausschuss. Dieser entscheidet, wenn
der Vorstand etwas vor sein Forum bringt."
,,Also eine Art von Ehrengericht“, erlaubte
ich mir einzuschalten, ,,in dem der Standesgenosse
über den Genossen aburthei1t."
,,Sehr richtig bemerkt“, bestätigte der Di-
rektor, ein ,,E hr en gericht. Wir wollen überhaupt
das Ehrgefühl des Sträiiings während des Straf-
vollzugs möglichst heben. Früher hat man das-
selbe nur zu oft ertötet. Ging man doch, wie ich
in jetzt veralteten Aufsätzen gelesen habe, in
alten Zeiten sogar so weit, dass man den Straf-
ling mit ,,Er“ oder ,,Du" anredete. Das ist {
i heute unmöglich; die Anrede ,,Herr“ ist den
ï Beamten auf das strengste vorgeschrieben. -­
' Um übrigens wieder auf die Zeitungen, von
denen wir ja ausgingen, zurückzukommen, so
müssen Sie nicht glauben, dass dieselben lediglich
einseitig Strafvollzugspolitik treiben. Wir haben