HomeDie alte und die neue Stadt KölnPagina 33

JPEG (Deze pagina), 817.59 KB

TIFF (Deze pagina), 7.08 MB

PDF (Volledig document), 45.47 MB

l è"
‘ Q i
- 29 ­- a l
iz
Kirchthüren, nach Verhältniss des Zulaufs jedoch in einer grösse- H
ren oder geringeren Anzahl, und wenn man nichts gibt, hat man
die gröbsten Ausdrüclïe, die infamsten Schimpfwörter zu erwarten.
An den öffentliclien Plützen und 3,11 den Ecken der Strassen
haben sie ihre gesicherten Stationen, die erblich sind und vom
Vater auf den Sohn, von der Mutter auf die Tochter fortgehen. I
Keiner darf dem Anderen in sein angeerbtes Bettelreeht greifen" 1).
_ Zu bestimmten Zeiten durften auch die Leprosen zum Almosen-
saxnmeln in die Stadt kommen; sie mussten sich aber auf der
Strasse durch Klingeln ankündigen. Diejenigen, welche nicht
mit einer Schelle versehen waren, mussten bei Wasser und Brod
Pönitenz thun, dann Kerzen und Steine tragen und auf ihre
M Pràtbende verzichten.
An den Strassenecken sassen Apfelweiber und standen Com- [
missionare oder Eckensteher, charalïteristiselie Figuren, bei denen ,
der naturwüchsige, echte Kölner Humor vielfaeh zum Aus-
drucke kam.
Ein êtusserst bewegtes Leben herrschte namentlich bei der
sogenannten Heiligtliumsfahrt, bei welcher ausser den zahllosen ”
Scharen frommer Landbewohner eine lange Procession ungarischer
H Pilger in phantastischen Costümen und Aufzügen die Strassen
ll durehzog und die versehiedenen Kirchen besuchte. Die Heilig-
thümer des Domes wurden von einer über dem blauen Stein
befindlichen Galerie herab von einem Domgeistlichen den Glau­
bigen gezeigt. Die Worte, welche dieser sprach, übersetzte ein
ungarischer Geistlicher seinen Landsleuten. Im Hospital Ipper­
Wald fanden die Pilger drei Tage lang Pflege. Für weiteres J
Zehrgeld wurde in den einzelnen Kirchspielen collectirt.
Aueh die Schiessspiele, zu denen Schutzen aus einer langen `
Reihe deutscher Stadte sich einfanden und an welchen sannnt- J
liche Zünfte sich betheiligten, die Holzfahrt, bei der alle lebens-
lustigen Elemente mit klingendem Spiel in das Ossendorfer Wald-
ehen zu einem heitern Frühlingsfeste auszogen, der Umritt des
Rittmeisters, bei welchem aller mögliehe Pomp und Glanz eines
1) Seite 246.
‘ ‘ ~g‘x §;;·­‘.·.



. *;$ ·'
.n